Kleines Fliesen 1×1


Kleines Fliesen 1×1

Beim Kauf von Fliesen ergeben sich für gewöhnlich etliche Fragen: Trockenpressung oder Strangpressung? Steinzeug, Feinsteinzeug oder Spaltplatten? Und was bedeutet eigentlich „Nanoeffekt“ und „Rektifizierung“? Worauf muss ich bei den Fugen achten und was sind die Vorteile von Keramik? Unsere bestens geschulten VerkäuferInnen beraten Sie bei allen diesen Fragen gerne und ausführlich! Wenn Sie sich aber bereits vorab informieren wollen, hilft Ihnen unser kleines Fliesen 1×1 weiter:

Spaltplatten
Stranggepresst, Wasseraufnahme 3% bis < 6%.
In frostbeständiger Ausführung besonders geeignet für den Außenbereich.
Vorzüge: spezielle Verkrallung der Platten auf der Rückseite mit dem Kleber, breites Angebot an Formteilen wie Florentiner Stufen, Schenkelplatten, Hohlkehlen etc.

Steingut
Bei Steingut handelt es sich um Fliesen mit hoher Wasseraufnahme (bis zu 10 %), die mit wesentlich geringeren Temperaturen gebrannt werden als Steinzeug und Feinsteinzeug. Steingut ist daher nicht frostbeständig. Es weist keine so hohe Druckbelastbarkeit wie Steinzeug und Feinsteinzeug auf. Steingut wird als glasierte Wand- und Bodenfliesen im Innenbereich verwendet. Es wird trockengepresst und der Scherben wird an der Oberfläche immer mit einer Glasur versehen.
Vorzüge: bessere Maßgenauigkeit als Steinzeug, leichteres Gewicht, leichter bearbeitbar.

Steinzeug
Steinzeug ist ein robuster Keramikwerkstoff, der eine höhere Dichte und Härte als Steingut aufweist. Steinzeugfliesen verfügen über eine geringere Wasseraufnahmefähigkeit ( 0,5% bis 3% ) als Steingutfliesen. Viele Hersteller deklarieren Steinzeug entsprechend der Norm mit einer Wasseraufnahme von <3% als frostbeständig. Tatsächlich hängt die Frostbeständigkeit aber immer auch stark von den Umgebungsgegebenheiten ab, wie zum Beispiel direkte Wassereinwirkung, Überdachung, hohlraumfreie Verlegung, Verwendung eines hochflexiblen zertifizierten S2-Klebers, Häufigkeit von Frost-Tauwechsel etc.
Steinzeug weist eine höhere Druckbelastbarkeit als Steingut auf und wird in der Regel auf Böden im Innen- und Außenbereich verwendet.
Vorzüge: Verwendung bevorzugt im Nassbereich wie Dusche, Küche, Produktionshallen, Hauseingang, Terrassen, Garagen etc., da es weniger Wasser aufnimmt als Steingutfliesen und mechanisch stärker belastbar ist

Feinsteinzeug
Feinsteinzeug ist noch feiner, dichter und härter als Steinzeug und die Oberfläche kann glasiert, anpoliert oder poliert und der Plattenkörper eingefärbt oder durchgefärbt sein.  Feinsteinzeug ist mit einer Wasseraufnahme von <0,5% laut Norm frostbeständig. Es weist eine sehr hohe Druckbelastbarkeit auf, da es bei Temperaturen von 1200°C bis 1300°C gebrannt wird und entsprechend hart ist. Bei Feinsteinzeug ist vor allem bei großen Formaten eine fachgerechte Verlegung mit geeignetem Fliesenzubehör unbedingt notwendig, um Probleme zu vermeiden. Manche unglasierte billige Feinsteinzeugprodukte neigen auf Grund offener Oberflächenporen zur Fleckenbildung und sollten nach der Reinigung nach der Verlegung mit einem Fleckstoppmittel behandelt werden. Durch die fortwährende Verbesserung der Produktionstechniken unter Verwendung digitaler Möglichkeiten weisen die Produkte immer größere Formate und immer schönere und ausgefallenere Oberflächenoptiken auf.
Vorzüge: gleich wie Steinzeug, aber vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten, bei der Verlegung schmale Fugenausbildung möglich aufgrund geringer Maßtoleranzen und rektifizierter Kanten 

Trockenpressung
Die Trockenpressung ist ein Formgebungsverfahren, bei dem das Rohmaterialpulver im trockenen Zustand mit hohem Druck verpresst und dann gebrannt wird. Das so entstehende Produkt wird im Fachjargon als Fliese bezeichnet und weist eine Presskante mit Maßtoleranzen auf. Diese erforderen die Verlegung mit einer Mindestfugenbreite von 3-5 mm.

Strangpressung
Wird auch „Extrudieren“ genannt und ist ein Formgebungsverfahren, bei dem ein feuchter, teigähnlicher Rohmaterial-Strang verpresst und dann gebrannt wird. Das so entstehende Produkt wird im Fachjargon als Platte bezeichnet.

Unterschied zwischen Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug
Der wesentlichste Unterschied ist die Wasseraufnahme.
Steingut: glasierte Fliesen mit hoher Wasseraufnahme E > 10% nach DIN EN 14411, Gruppe BIII
Glasiertes Steinzeug: glasierte Fliesen mit niedriger Wasseraufnahme 0,5% < E ≤ 3% nach DIN EN 14411, BIb
Unglasiertes und glasiertes Feinsteinzeug: unglasierte und glasierte Fliesen mit niedriger Wasseraufnahme
E ≤ 0,5% nach DIN EN 14411, Gruppe BIa

Wie bei allen Produkten gibt es auch bei allen Fliesen und Platten große Qualitätsunterschiede, die als unterschiedliche Sortierungen zu unterschiedlichen Preisen verkauft werden.

Vorteile keramischer Fliesen und Platten
farb- und lichtecht: kein Ausbleichen oder Verspröden
pflegeleicht: aufgrund geschlossener Oberfläche und innovativer Oberflächenveredelung
ritzfest: kein versehentlicher Messerschnitt oder Kratzer wie bei Holzböden
bakterienfeindlich: Milben, Keime, Pilze etc. finden keinen Nährboden
nicht brennbar: Funkenflug, Asche oder Zigarettenglut richten keinen Schaden an
keine Schwelgasbildung: lebenswichtig bei einem Brand
geruchsneutral und emissionsfrei: Dämpfe, Gase, Gerüche etc. werden weder aufgenommen noch abgegeben.
fleckunempfindlich, feuchtigkeitsbeständig: Wasser, Farbspritzer oder ähnliches sind leicht zu entfernen
Wärmeleitend und -speichernd: sehr gute Wärmeleiter, daher besonders geeignet für Fußbodenheizung
unverrottbar: kaum Veränderung des Keramikbelages über einen längeren Zeitraum
leicht zu entsorgen: normaler Bauschutt und nützliches Recyclingmaterial
umwelt-, menschenfreundlich und baubiologisch empfohlen: im Gegensatz zu PVC, Linoleum oder Laminat nur aus natürlichen Rohstoffen hergestellt
kein Einlassen mit Lack oder anderen ungesunden Mitteln nötig
wertbeständig und Ressourcen schonend, da langlebig

Vorteile von Steinzeug- und Feinsteinzeug Fliesen
frost- und wetterbeständig: für Innen- und Außengestaltung
säure- und laugenbeständig: hochwertige Produkte sind relativ unempfindlich gegen Säuren und Laugen
druckfest: Stöckelschuhe, Möbel, schwere Blumentöpfe oder ähnliches erzeugen keine Druckstellen
stoßfest: hart im Nehmen
abrieb- und verschleißfest: unglasierte Fliesen weisen keinen Abrieb, glasierte eine hohe Beständigkeit auf
differenzierte Trittsicherheit: je nach Anwendung und Sicherheitsbedürfnis großes Angebot an spezifischen Produkten wie z. B.: barrierefreie Leitsysteme

Abrieb PEI
im Normalfall wird der Verschleiß von Bodenbelägen durch Sand- und andere Schmutzpartikel verursacht, die an den Schuhsohlen haften und bei Geh- und Drehbewegungen wie Schmirgel unter hohem Druck wirken. Da der Oberflächenverschleißwiderstand nicht bei allen Glasuren gleich ist, werden die glasierten Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen in fünf Gruppen unterschiedlicher Belastbarkeit, die Abriebgruppen 1 (leichte Beanspruchung) bis 4 (starke Beanspruchung) und 5 (extra starke Beanspruchung) eingeteilt und entsprechend gekennzeichnet.

Unglasiertes Feinsteinzeug hat einen Verschleißwiderstand, der zu den höchsten aller Bodenbeläge gehört. Auch nach jahrzehntelanger intensiver Beanspruchung ist eine Abnutzung dieses homogenen Materials kaum erkennbar.

Rektifizierung
Rektifizierte Fliesen werden nach der Herstellung zusätzlich an den Kanten auf ein genaues Maß geschnitten und geschliffen, so dass die Seitenflächen in einem 90° Winkel zueinander (Seiten zur Oberfläche) stehen. Daher sind diese Fliesen besonders maßhaltig und erlauben eine Verlegung mit sehr schmalen Fugen. Rektifizierte Fliesen zeigen naturgemäß eine Schleifkontur an der oberen Kante. Wird diese obere Kante leicht abgeschrägt, spricht man von gefasten bzw. gebrochenen Kanten, die produktionsbedingt innerhalb von Normschwankungen bzw. strukturbedingt bei Fliesen mit Oberflächenstruktur unterschiedlich ausfallen können. Gefaste Kanten können Fugen optisch breiter ausfallen lassen.

Fugen
sind ein wichtiger Bestandteil eines keramischen Belags. Funktional dienen sie dem Ausgleich von Maßtoleranzen der Fliesen und dem Auffangen von Bewegungen des Untergrundes oder des Gebäudes (z. B.: durch Temperaturwechsel oder Wasserbewegungen im Untergrund). Um eine fachgerechte Verlegung mit einer fachgerecht angepassten Fugenbreite zu erreichen, gibt es eine Norm, die eine Mindestfugenbreite bei der Verlegung verlangt. Auch geben die Maßtoleranzen der Fliese eine Mindestfugenbreite vor; je genauer das Maß der Fliesen, umso schmäler kann die Fuge gemacht werden. Dies hängt aber auch sehr stark von der exakten Vorbereitung des Untergrundes (Ebenmäßigkeit, Reinheit) und dem Können des Fliesenlegers ab.

Auch gestalterisch spielen die Fugen eine große Rolle. Die optische Rasterung vermeidet reizlose Monotonie. Der Gesamteindruck wird im wesentlichen von der Farbe der Fuge und Farbe der Fliese geprägt. Je harmonischer, desto großflächiger wirkt der Belag. Je kontrastreicher, desto mehr wird der Raster betont. Die klassisch-neutrale Fugenfarbe ist grau in allen Nuancen. Die Breite der Fuge ist zum einen herstelltechnisch bedingt, zum anderen abhängig von der Optik der Fliese: Ein edelrustikaler Bodenbelag verträgt, ja verlangt eher eine breitere Fuge. Ein eleganter Wand- oder Bodenbelag dagegen wirkt mit einer engen Fuge besonders attraktiv. 

Rutschfestigkeit
R – Wert 9 – 13: gilt für Bereiche, die mit Schuhen begangen werden.
Je höher der Wert, umso rutschfester der Belag.
A B C – Wert: gilt für den Barfußbereich. A = niedrig, B = höher, C = hoch
V – Wert 4,6,8,10: gibt die Verdrängungsmöglichkeit von Fett an. Je höher der Wert, umso rutschfester.
Generell gilt aber, je höher die Rutschfestigkeit, umso schwerer die Reinigung.

Fußbodenheizung
und keramische Beläge passen ausgezeichnet zusammen.
Da Keramikfliesen hervorragende Wärmeleiter sind, wird die Wärme schnell und gleichmäßig abgegeben. Darüber hinaus speichern Fliesen die Wärme ähnlich wie ein Kachelofen. Fliesen sind daher der ideale Belag für Fußbodenheizungen, egal ob Niedertemperatur-Warmwassersysteme oder elektrische Direktheizungen. Warme Füße sind garantiert und für ein wohliges, gesundes Raumklima ist gesorgt. Angenehmer Nebeneffekt: Energie- und Kostenersparnis, denn bereits geringe Temperaturen reichen aus, um behagliche Wärme zu erzielen. Man erreicht eine circa 15% bessere Energieausnutzung als bei Parkett.
Bei der Verlegung muss immer ein flexibler S1 oder S2 Flexkleber verwendet werden.

Mosaik
Kleinformatige Fliesen aus Steinzeug für Wand und Boden. Zur einfacheren Verlegung in der Regel auf Netz verklebt. Spezielle Vorzüge: Belegung auch von gerundeten Flächen möglich, hoher Fugenanteil unterstützt Trittsicherheit und strukturiert Flächen in edler Optik. Hervorragend geeignet, um Exklusivität, individuelle Gestaltung und Dekorationen zu erreichen.

Nanoeffekt
Technologische Fortschritte ermöglichen es mittlerweile, Fliesen mit Oberflächenveredelungen zu versehen. Vorteile: Von weiterer Erleichterung der ohnehin einfachen Reinigung bis hin zu noch stärkerer antibakterieller Wirksamkeit.

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Dieses Fliesen 1×1 gibt eine Hilfestellung bei der Orientierung mit Fachbegriffen, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit.
Der Verfasser übernimmt keine Haftung für die Anwendung. Irrtümer und Fehler vorbehalten.